Abfall

Wo stehen wir heute und was bleibt noch zu tun?
 
1986 veröffentlichte der Bund das «Leitbild für die Schweizerische Abfallwirtschaft» und skizzierte darin die Grundzüge für eine nachhaltige Abfallbehandlung. Die Probleme sollen nicht auf kommende Generationen verlagert werden. Die damals formulierten Grundsätze sind bis heute wegweisend und haben viel zum gegenwärtigen hohen Stand der Schweizerischen Abfallwirtschaft beigetragen.

 

Auch in den beiden Basel waren in den Neunzigerjahren grosse Anstrengungen von Gemeinden und Kantonen erforderlich, um den Übergang von der (möglichst billigen) Abfallentsorgung zu einer zeitgemässen Abfallbewirtschaftung zu bewältigen. Dies sowohl bei den Haushalten als auch bei Gewerbe und Industrie mit ihren z.T. speziellen Abfallkategorien. Als wichtige Errungenschaften dieser Umstellung sind zu nennen:

 
markante Steigerung der Anteile an separat erfassten Wertstoffen wie Papier, Glas, Grünabfälle, Metalle, Textilien, aber auch der mengenmässig sehr wichtigen mineralischen Recyclingmaterialien (Kies, Beton, Belag);
 


Reduktion der Menge an nicht-verwertbaren Abfällen, sodass sich die Gesamt-Abfallmengen mehr oder weniger stabilisiert haben;
konsequente Durchsetzung des Verursacherprinzips durch kostendeckende Abfallgebühren (welche eine wichtige Triebfeder für die verbesserte Verwertung darstellen);
 


wesentliche Umweltentlastung durch verbesserte Abfallbehandlung sowohl bei verwertbaren als auch bei den nicht-verwertbaren Abfällen. Dazu gehört insbesondere die Abkehr von der Deponierung brennbarer Abfälle und die Verminderung von Emissionen bei der Abfallverbrennung oder anderen Behandlungsprozessen.
 


Nicht befriedigend ist dagegen der nach wie vor enorme Ressourcenverbrauch der heutigen Gesellschaft. Obwohl in diesem Gebiet gerade in den beiden Basler Kantonen einzelne wegweisende Impulse gesetzt werden konnten, greifen die Strategien zur Abfallvermeidung und Ressourcenschonung erst punktuell. Entsprechend den Grundsätzen der Nachhaltigkeit muss hier noch ein radikales Umdenken stattfinden, denn die boomende Wirtschaft in Ländern wie China und Indien zeigt, dass Ressourcenverknappung und Umweltzerstörung ein Ausmass erreichen können, welches die Lebensgrundlage der Menschen in Frage stellt.

 

Heute werden rund 50% der Siedlungsabfälle der stofflichen Verwertung zugeführt und der Rest in einer modernen Kehrichtverbrennungsanlage unter Nutzung der Abwärme behandelt. Auch bei Gewerbebetrieben hat sich die Abfalltrennung und das Recycling dank Information und Beratung schrittweise verbessert.
 
Bauabfälle stellen mengenmässig die grösste Abfallfraktion dar und in den Gebäuden lagern heute riesige Mengen an Rohstoffen. Daher muss die bereits gut ausgebaute Verwertung der Abfälle aus dem Hoch- und Tiefbau im Interesse der Ressourcenschonung künftig noch konsequenter erfolgen.
 
Die in der Region stark vertretene chemische Industrie erzeugt auch grössere Mengen an Sonderabfällen. Dank grossem Know-How und leistungsfähigen Entsorgungsanlagen können diese aber heute ohne grössere Umweltbelastung entsorgt werden.
 
Bei einzelnen speziellen Abfallkategorien ergaben sich in den vergangenen Jahren markante Veränderungen. So muss heute der Klärschlamm vollumfänglich verbrannt werden und für Abfälle wie Altholz, Altreifen, Schrott gilt eine strengere Überwachung der Entsorgungswege. Für Elektronikschrott erlaubt die vorgezogene Entsorgungsgebühr eine Gratisrückgabe aller Geräte an die Verkaufsstellen.
 
Mit Strategien und Projekten zur Abfallvermeidung und Ressourcenschonung wird versucht, über die Abfallbewirtschaftung hinaus den nach wie vor enormen Ressourcenverbrauch einzudämmen.