Baulärm auf Grossbaustellen

Nach Inkrafttreten der Baulärmrichtlinie konnten an einigen Grossbaustellen wertvolle Erfahrungen gesammelt werden. Es hat sich gezeigt, dass mit guten Konzepten und dem Einbezug einer guten Lärmüberwachung, welche auch die entsprechende Information an die Bevölkerung beinhaltet, Lärm-Reklamationen weitgehend vermieden werden können. Dies kommt auch der Bauherrschaft zugute.
 
Allgemeines
Seit dem 2. Februar 2000 ist die Baulärmrichtlinie in Kraft. Nachdem Fachleute der Kantone BL und BS massgeblich an der Erarbeitung dieser Richtlinie mitgearbeitet haben, konnten bereits einige Erfahrungen gesammelt werden.
 
Für «normale» Baustellen hat die Richtlinie kaum Auswirkungen. Aber vor allem für Grossbaustellen kann sie zu wesentlichen Einschränkungen führen und finanzielle Konsequenzen haben. Grossbaustellen zeichnen sich in erster Linie durch ihre Grösse aus, wie z.B. die Umfahrung Sissach oder die Nordtangente, wo viele Anwohner betroffen sind. Aber auch Baustellen, die mit ihren ausgedehnten Arbeitszeiten das übliche Mass übersteigen, werden dazugezählt. Es ist zu beobachten, dass der wirtschaftliche Druck zu immer kürzeren Bauzeiten führt, was meist zwangsweise in längeren täglichen wie wöchentliche Arbeitszeiten endet, wie z.B. beim Bau der Halle 1 der Messe Basel, dem Messeturm oder von Produktionsgebäuden der chemischen Industrie.

 

Im Gegensatz zur Lärmschutzverordnung, die klare Grenzwerte kennt, geht es bei der Baulärmrichtlinie darum, mittels eines einheitlichen Vollzugs in der Schweiz den Baustellenlärm auf das Nötigste zu beschränken. Damit sollen übermässige Belästigungen vermieden werden. Das führt zwangsweise zu einer Abwägung zwischen dem Ruhebedürfnis der Bevölkerung, dem Interesse des Unternehmers, das Werk effizient und termingerecht zu errichten und den Kosten für Lärmschutzmassnahmen. Dies kann anhand von Abb. 1 gezeigt werden.



Abb. 1: Baulärmrichtlinie

Die Baulärmrichtlinie legt den Drehpunkt fest, um welche die verschiedenen Akteure die Balance finden müssen:

 
Der Unternehmer kann Baukosten durch lärmige Verfahren tief halten, muss aber anderer-seits dafür teure Lärmschutzmassnahmen in Kauf nehmen.
Der Bauherr ist an tiefen Baukosten interessiert, hat aber oft auch ein Interesse an einem guten Verhältnis mit der Nachbarschaft.
Die Lärmschutzfachstelle muss einen Ausgleich zwischen Lärmschutzkosten und den zumutbaren Immissionen finden.
 

Die zu ergreifenden Massnahmen hängen dabei von Kriterien ab, welche ein Mass für die zu erwartende Höhe der Immissionen sind wie:

 
Baustellentransporte
Art und Dauer der lärmigen oder lärmintensiven Bauarbeiten
Arbeitszeiten
 

Massnahmen
Massnahmen umfassen aktive oder passive Lärmschutzmassnahmen sowie organisatorische Vorkehrungen:

 
Wahl des Bauverfahrens
Wahl der Baumaschinen
Verkürzen der Arbeitszeiten ausserhalb der normalen Arbeitszeit
Organisatorische Massnahmen wie Orientierung der Bevölkerung, Lärmüberwachung während der Bauzeit oder Sorgentelefon mit Alarmorganisation.
 

Bevor Bauarbeiten in Angriff genommen werden, sollten Kriterien und entsprechende Vorkehrungen in einem Lärmschutzkonzept festgelegt werden. Dieses Konzept legt alle Massnahmen fest, um die Belästigung der Bevölkerung so weit wie möglich zu reduzieren.
 
Zu einem Lärmschutzkonzept gehören eine ausführliche Analyse der Baustelle in Bezug auf die Rahmenbedingungen, die Notwendigkeit und der Ablauf der Bauarbeiten. Für diese Analyse wurden seit Inkrafttreten der Richtlinie nützliche Werkzeuge erarbeitet.
 
Generelle Anforderungen der Massnahmenstufen:

 



Ermittlung der Massnahmenstufen für Bauarbeiten:

 


Ermittlung der Massnahmenstufen für lärmintensive Baurarbeiten:

 


Das Ergebnis dieser Analyse führt zum Massnahmenkatalog, der die oben beschriebenen Lärmschutzmassnahmen umfasst. Die verfügten Lärmschutzmassnahmen können dabei sehr umfangreich sein und bis zum Einbau von Schallschutzfenstern oder dem Bau von Lärmschutzwänden führen. Auch beinhaltet sie die Möglichkeit, vom Lärm stark betroffene Personen zu evakuieren.

 

Sind die Arbeitszeiten auf der Baustelle ausserhalb der normalen Arbeitszeiten, so müssen spezielle Lärmschutzmassnahmen ergriffen werden. Dazu gehört die Instruktion des Personals in Bezug auf das lärmarme Verhalten auf der Baustelle und der Einsatz besonders lärmarmer Maschinen.
 
Zur Kontrolle dieser Massnahmen kann verlangt werden, dass Baustellen mittels Lärmmessung permanent überwacht werden. Zur Überwachung gehört auch ein Lärmbericht, der über das Internet einsehbar ist.

 


Für die Bohrungen des Deep Heat Mining wurde zum Schutz der Anwohner neben dem Einbau von Schallschutzfenstern auch eine ca. 10m hohe Lärmschutzwand errichtet.


Baustelle mit Lärmüberwachung.

Gemachte Erfahrungen
Eine Baustelle stellt immer eine vorübergehende Lärmimmission dar. Die Erfahrung zeigt, dass Anwohner durchaus ein gewisses Verständnis für Bauarbeiten haben, können diese doch auch helfen, die Umgebung besser zu gestalten und das Wohnumfeld aufzuwerten. Auch eine gewisse Identifikation der Bevölkerung mit dem Bauwerk kann zu einer positiven Grundhaltung führen. Auf dieses Verständnis kann aber nur gebaut werden, wenn offen informiert wird, Versprechen eingehalten und durch entsprechende Kontrollen überprüft werden.
 
Die bis jetzt gemachten Erfahrungen der Lärmschutz-Behörden hat zudem gezeigt, dass ein früher Dialog mit allen Beteiligten

 
Bauherr
Unternehmer
Lärmschutzplaner
 

ausserordentlich wichtig ist. Dadurch können Lösungen gefunden werden, die unter den gegebenen Randbedingungen zu einem Optimum führen. Ebenfalls wirkt sich eine aktive Informationspolitik der Lärmschutzfachstellen (z.B. Bulletin mit den Resultaten der Lärmüberwachung im Internet) positiv auf Akzeptanz der Betroffenen aus.