Logo Basel-Stadtlogo Basel-Landschaft Kanton Basel-StadtUmweltbericht 2007
Kanton Basel-LandschaftUmweltbericht 2007

Bilanz

Bilanz

Der vorliegende Umweltbericht beider Basel ist im Sommer 2008, und jeweils im Frühling 2009, 2010, 2011, 2012, Herbst 2013, 2014 und im Frühjahr 2015 aktualisiert worden. Statistiken und Grafiken sind weitergeführt und die Ausführungen dazu angepasst worden.  
 
Boden
Die Politik kleiner Schritte und der Sensibilisierung sowie der Einbezug wichtiger Akteure für einen nachhaltigen Umgang mit dem Boden und der Bodenfläche zeigt Wirkung. Das Wissen um die Bodenknappheit und -empfindlichkeit hat zugenommen.
 
Die Schadstoffbelastung der Böden in Siedlung, Landwirtschaft und im Wald ist gleich geblieben. Die Bodenverdichtung und -versiegelung schreitet fort, ebenso wie der Kulturlandverlust. Grund dafür ist die Ausdehnung der Siedlungsflächen und Infrastruktureinrichtungen.
 
Die Anstrengungen zur Erhaltung ausreichender Bodenflächen und gesunder Böden werden fortgesetzt. Der Flächenverbrauch ist vom Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung zu entkoppeln. Siedlungsgebiete sind zu verdichten, Flächen durch Entsiegelung aufzuwerten und Freiflächen zu erhalten. Bodenerosion und -verdichtung auf land- und forstwirtschaftlich genutzten Böden sind zu vermeiden.  
 
Wasser
Der Gewässerschutz hat in beiden Kantonen einen hohen Stellenwert. Aufgrund des Siedlungsdruckes steht für den Grund- und damit Trinkwasserschutz, für den Hochwasserschutz und die vom Bund geforderten Revitalisierungen der Oberflächengewässer kaum mehr Raum zur Verfügung. Die Grundwasserqualität ist im Allgemeinen gut, jedoch bestehen nach wie vor bedeutende Belastungen bei Industriestandorten. Die Auswirkungen der Mikroverunreinigungen der Siedlungsentwässerung auf die Oberflächengewässer und das Grundwasser sind deutlich. Sorge bereiten die zunehmenden Entnahmen von Wasser für die Heizung und Kühlung, was zu einer unerwünschten Erwärmung des Grundwassers sowie der Oberflächengewässer und zu deren Übernutzung führen kann.
 
Es gibt immer noch Fehleinleitungen, Havarien und Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen. Das Grundwasser wird nach wie vor durch gewerbliche und industrielle Tätigkeiten und Altlasten belastet. Deshalb sind die Überwachung der Gewässer und die Beseitigung bzw. der Stopp der belastenden oder gefährdenden Einwirkungen auch zukünftig wichtig, um die Versorgung mit sauberem Trinkwasser zu sichern und die Vitalität der Fliessgewässer zu bewahren. Hier hat die Elimination von Mikroverunreinigungen in den Abwasserreinigungsanlagen grosse Bedeutung. Eine weitere Herausforderung liegt in der intelligenten Bereitstellung von genügend Brauchwasser für Heiz- und Kühlzwecke ohne Übernutzung der Gewässer und ohne gegenseitige negative Beeinflussung der Anlagen. Dazu sind entsprechende Instrumente, wie grossräumige Grundwassermodelle zu erstellen.
 
Im Gewässerschutz wurden neue Vollzugsmodelle entwickelt und umgesetzt. Eigentümern und Betreibern von Abwasseranlagen wird mehr Selbstverantwortung zugestanden. So wurden mit einigen Firmen der chemischen Industrie Kooperationsvereinbarungen und mit verschiedenen Verbänden Branchenvereinbarungen geschlossen.
 
Luft
Zahlreiche Massnahmen haben die Luftbelastung, je nach Schadstoff unterschiedlich stark reduziert. Die Luftqualität ist besser geworden. Dank des aktualisierten Luftreinhalteplans zeigen die Emissionen bei nahezu allen Schadstoffen und Verursachergruppen eine leicht rückläufige Tendenz. Doch die Fortschritte der Jahre 1980-2000 lassen sich nicht mehr fortsetzen, weil die Sanierungen von Altanlagen nach dem Stand der Technik zum grossen Teil abgeschlossen sind und sich der Fahrzeugpark nach neusten Abgasvorschriften erneuert hat. Zudem wirken sich das ungebremste Verkehrswachstum und eine Zunahme der Wirtschaftsproduktivität und Bevölkerung nachteilig auf die Schadstoffemissionen aus.
 
Die Anstrengungen zur Verminderung von Luft-Schadstoffemissionen konzentrierten sich in den vergangenen Jahren auf den Problemschadstoff PM10 bzw. Feinstaub. Im Vordergrund stand dabei die Emissionsreduktion von Russ aus Dieselmotoren und aus der Holzverbrennung. Es sind v.a. die dieselbetriebenen Baumaschinen und -geräte auf Baustellen und ähnlichen Anlagen sowie Holzfeuerungsanlagen betroffen.
 
Die Luft ist immer noch derart belastet, dass zeitweise gesundheitliche und ökologische Schäden hervorgerufen werden können. Handlungsbedarf besteht vor allem bei den Luftschadstoffen Feinstaub, Ozon, Stickoxid und beim Ammoniak, mit dem zu viel Stickstoff in die Umwelt gelangt. Im Luftreinhaltplan 2010 wird aufgezeigt, wie weitere Schadstoffreduktionen erreicht werden können. Im 2016 erfolgt eine weitere Nachführung des Luftreinhalteplans. Nebst der Standortbestimmung wird er den allfälligen Handlungsbedarf mit neuen Massnahmen darstellen. Überdies werden Massnahmen zum Klimaschutz, insbesondere die Förderung von Holzheizungen und Energie aus Biomasse und die Energiewende, mit Ersatz von Kernkraft durch fossile Brennstoffe (z.B. Gas- und Dampfkraftwerke) zur besonderen Herausforderung der Luftreinhaltung.
 
Altlasten
In beiden Kantonen wurden bisher für 77 (BS 38, BL 39) Altlasten-Standorte Sanierungen verlangt. Bei 48 (BS 35, BL 13) Standorten konnte die Sanierung abgeschlossen werden, bei 29 (BS 2 + 1 Schiessanlage, BL 13 + 13 Schiessanlagen) Standorten sind die Sanierungsarbeiten noch im Gange.
 
Natur und Landschaft
Natur und Landschaft kamen die zahlreichen Projekte zur Aufwertung und zum Schutz der Artenvielfalt zu Gute, sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten. Die ökologische Aufwertung der Fliessgewässer leistet ebenfalls einen wichtigen Beitrag. Es konnten diverse neue Naturschutzgebiete geschaffen werden.
 
Im Natur- und Landschaftsschutz wird die Marschrichtung beibehalten. Insbesondere die Naturschutzprogramme «Pflege und Unterhalt der kantonalen Naturschutzgebiete», «Ökologischer Ausgleich in der Landwirtschaft» und «Naturschutz im Wald» werden fortgeführt. Neue Bundesaufträge werden in die bestehenden Programme integriert. Dies betrifft besonders die Umsetzung der Inventare der Amphibienlaichgebiete und der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung. Besonders gefährdete Arten werden mit gezielten Schutzprogrammen im Bestand gesichert.
 
Lärm
Beim Lärmschutz wurden Erfolge, beispielsweise durch die Sanierung der Schiessanlagen, bei der Bekämpfung des Industrie- und Gewerbelärms, mit leiserem Rollmaterial der Bahnen und mit leiseren Triebwerken sowie besserer Auslastung der Flugzeuge erzielt. Der Fortschritt wird aber durch die immer noch zunehmende Mobilität kompensiert. Zunehmend wird der Freizeitlärm ein Problem, z.B. an stark frequentierten Orten, aber auch wegen vielen Veranstaltungen und Musiklokalen.
 
In der Lärm-Sanierung wurden bisher vor allem punktuelle Massnahmen auf dem Ausbreitungsweg umgesetzt. Seit ein paar Jahren kommen vermehrt neuartige lärmarme Strassenbeläge zum Einsatz. Die Fokussierung auf Massnahmen an der Quelle - damit der Lärm gar nicht erst entsteht - soll weiterhin und verstärkt angestrebt werden.
 
Wo Massnahmen zur Verkehrslenkung und -beruhigung nicht möglich waren, wurden Lärmschutz-Massnahmen zum besseren Schutz der Bevölkerung angeordnet. Dazu gehören Sanierungen mit Lärmschutzbauten entlang der Hauptverkehrsachsen der Eisenbahn und Strassen sowie der Einbau von Schallschutzfenstern, wo trotz Sanierung hohe Lärmbelastungen bestehen bleiben.
 
Abfall
Eine wesentliche Umweltentlastung konnte durch die verbesserte Abfallbehandlung, sowohl der verwertbaren als auch der nicht verwertbaren Abfälle, erreicht werden. Wesentlich dazu beigetragen hat vor allem die Abkehr von der Deponierung brennbarer Abfälle. Bei gleich bleibender Gesamtabfallmenge wurden die Anteile separat erfasster Wertstoffe im Sinne der Kreislaufwirtschaft markant gesteigert. Durch kostendeckende Abfallgebühren und die konsequente Durchsetzung des Verursacherprinzips konnten der Anteil der separat gesammelten Wertstoffe gesteigert und Erfolge in der Abfallvermeidung erzielt werden.
 
In beiden Kantonen besteht bei den Industrie- und Gewerbeabfällen nach wie vor Handlungsbedarf im Hinblick auf eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft. Bioabfälle werden noch vermehrt der energetischen Verwertung in Vergärungsanlagen zuzuführen sein.
 
Energie
Der Gesamtenergieverbrauch pro Kopf hat in der Berichtsperiode in beiden Halbkantonen praktisch stagniert. In Basel-Landschaft liegt er leicht, in Basel-Stadt deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt. Der Pro-Kopf-Verbrauch bei den Treibstoffen ist in BS etwas stärker als in BL angestiegen. Die Steigerung beim Pro-Kopf-Stromverbrauch beträgt in BL jährlich ca.1%, in BS seit 2000 ca. 2% jährlich. Der Verbrauch von Brennstoffen für die Beheizung der Bauten und für das Warmwasser in Basel-Landschaft, hat moderat zugenommen. Seit 2004 stagniert er. Da der Gebäudebestand – und damit der Bedarf an Wärme zugenommen hat, wäre der Wärmeverbrauch stärker angestiegen, wenn die Effizienz der Energienutzung bei den Bauten nicht verbessert worden wäre. Dies ist primär auf Gebäudesanierungen und Erneuerungen von alten Heizungsanlagen zurückzuführen. In Basel-Stadt zeigt sich ein analoges Bild; allerdings wächst die Energiebezugsfläche kaum mehr, hingegen sinkt der Verbrauch an Heizenergie. Seit 1990 hat er um rund 30% abgenommen.
 
Die Produktion erneuerbarer Energien verzeichnet weiterhin Zuwachsraten. Leitmotiv der Energie- und Klimapolitik ist die Vision der 2000-Watt-Gesellschaft. Die Reduktion des Energie-Leistungsbedarfs auf 2000 Watt pro Person ist möglich, wenn der Verbrauch durch Verhaltensänderungen reduziert, die Energieeffizienz gesteigert und der verbleibende Bedarf aus erneuerbaren Quellen gedeckt wird. Die anstehende Totalerneuerung des kantonalen Energiegesetzes Basel-Landschaft bietet die Chance die Zielerreichung der 2000 Watt Gesellschaft zu unterstützen.
 
Basel ist Pilotregion der 2000-Watt-Gesellschaft, welche im Jahr 2003 in Zusammenarbeit von Novatlantis (ETHZ), der Basler Verwaltung, der Fachhochschule NWCH und der Universität Basel entstanden ist. Zwischen 2013 und 2016 sollen elf konkrete Projekte in den Bereichen Bauen, erneuerbare Energien und Fahrzeugtechnologie angeregt und beispielhaft umgesetzt werden. Alle Projekte werden von weiteren Beteiligten mitgetragen und co-finanziert.
 
Basel-Stadt verfügt dank dem Energie-Förderfonds über umfangreiche Mittel, die seine Energiepolitik prägen. Basel-Landschaft leistet mit dem Baselbieter Energiepaket Förderbeiträge an Energieprojekte mit Schwerpunkten bei der energetischen Gebäudesanierung und der Nutzung erneuerbarer Energien. Basel-Stadt hat sich das ambitionierte Ziel einer klimaneutralen Verwaltung gesetzt. Die Energie- und Klimapolitik der beiden Basler Kantone erreicht die notwendige CO2-Emissionsreduktion noch nicht.
 
Umweltgefährdende Stoffe
Die umweltgefährdende Wirkung von Chemikalien wurde in vielen Fällen erst Jahre oder gar Jahrzehnte nach deren Verwendung erkannt. So galten Stoffe wie die besonders umweltgefährlichen polychlorierten Biphenyle bei ihrer Einführung als vollkommen unbedenklich. Auch heute noch ist die Eliminierung von schon lange verbotenen Problemstoffen aus dem Stoffkreislauf ein wichtiges Thema der Chemikalienfachstellen in beiden Basel.
 
Die Einführung einer neuen EU-kompatiblen Chemikaliengesetzgebung, welche mehr als bisher auf die Eigenverantwortung der Hersteller und Importeure baut, stellt uns vor die Herausforderung, das bisher hohe Niveau im Umwelt- und Gesundheitsschutz unter dem neuen Recht zu sichern.
 
Elektrosmog
Anlagen zur Stromversorgung, Elektrogeräte und eine Vielzahl von Sendeanlagen für verschiedene Funkanwendungen erzeugen nichtionisierende Strahlung (NIS), auch als Elektrosmog bezeichnet. Je nach Intensität kann Elektrosmog die menschliche Gesundheit beeinträchtigen. Mit der NIS-Verordnung soll die Bevölkerung vor solchen negativen Auswirkungen geschützt werden.
 
Die aktuellen Messdaten können auf der Website des Lufthygieneamts eingesehen werden. Bis anhin wurden keine Überschreitungen der Grenzwerte der NISV registriert.
 
Technik und Risiko
Tagtäglich gehen wir bewusst Risiken ein, deren Auswirkungen für uns überschaubar sind. Gleichzeitig sind wir auch Gefahren ausgesetzt, denen wir uns nicht bewusst sind. Beim Umgang der Betriebe mit gefährlichen Chemikalien und Organismen ist die Aufgabe der Vollzugsbehörden, dass diese Risiken innerhalb eines gesellschaftlich akzeptierten Rahmens bleiben.
 
Die Risikolandschaft wird durch verschiedene, sich stetig ändernde Faktoren bestimmt. Dazu gehören die Einführung neuer industrieller Technologien und der fortschreitende Wissensstand sowie die sich ändernden gesellschaftlichen Ansprüche.
 
Klima
Wir erwärmen die Atmosphäre unseres Planeten Erde durch die Anreicherung mit treibhauswirksamen Gasen. Gletscher und polare Eismassen schmelzen ab, Meeresspiegel steigen, extreme Wetterereignisse werden häufiger. Die Schweiz mit ihrem Gebirgsökosystem ist stark von der Erwärmung betroffen. Damit die Erwärmung nicht drastische Folgen für Mensch und Umwelt haben wird, darf die globale Durchschnittstemperatur nicht mehr als 2 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau ansteigen. Treibhausgas-Emissionsreduktionen sind dringend nötig. Die beiden Basler Halbkantone übernehmen Verantwortung und setzen Wegzeichen für eine lokale Klimaschutzpolitik.
 
Die Klimaveränderung ist auch in unserer Region spürbar. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Temperaturzunahme sogar verstärkt. Klimaschutzpolitik ist Treibhausgas-, vor allem CO2-Reduktionspolitk. Dazu ist international, national und kantonal noch viel zu tun!
 
Nachhaltige Entwicklung
Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne dass die Bedürfnisse künftiger Generationen beeinträchtigt werden.
 
Mit dem Regierungsprogramm 2012-2015 «Unsere Vision wird Programm» des Basellandschaftlichen Regierungsrates wird die politische Strategie mit der Nachhaltigkeitsstrategie fusioniert. Finanz-, Wirtschafts-, Sozial-, Bildungspolitik usw. werden so ausgestaltet, dass sich der Kanton insgesamt nachhaltig entwickelt. Der Geschäftsbericht des Regierungsrates wird damit auch zum Nachhaltigkeitsbericht, der anhand von Indikatoren, inkl. den Kernindikatoren Nachhaltiger Entwicklung des Cercle Indicateurs über den Stand der Nachhaltigen Kantonsentwicklung informiert.
 
Seit dem Jahr 2005 überprüft der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt in regelmässigen Abständen, auf der Basis festgelegter Kennzahlen, die Nachhaltige Entwicklung im Kanton Basel-Stadt. Mit dem Nachhaltigkeitsbericht 2013 wurde die Nachhaltigkeitsberichterstattung terminlich auf die Legislaturplanung abgestimmt.