Biologische Risiken stationärer Anlagen

Die Bewältigung der Vollzugsaufgaben im Bereich der biologischen Risiken bleibt für die kantonalen Fachstellen eine grosse Herausforderung. Das Vorkommen von gentechnisch veränderten Pflanzen im Raum Basel führte weiterhin zu zusätzlichen Kontrolltätigkeiten.
 
Tätigkeiten mit gentechnisch veränderten oder pathogenen Organismen
Forschung, Produktion und andere Tätigkeiten mit pathogenen oder gentechnisch veränderten (Mikro-) Organismen müssen in «geschlossenen Systemen», nämlich in Laborbauten oder Produktionsanlagen durchgeführt werden. Damit wird ein direkter Kontakt der Organismen mit Mensch und Umwelt verhindert. In der Einschliessungsverordnung (ESV) sind die Bestimmungen über alle nötigen Sicherheitsmassnahmen definiert.

 


Arbeiten mit Mikroorganismen bedürfen spezieller Sicherheitsvorkehrungen.


Tätigkeiten mit einem eher geringem Risiko (Klassen 1 und 2) müssen von den Betrieben an die Behörden gemeldet werden, während diejenigen mit einem höheren Risiko (Klassen 3 und 4) bewilligt werden müssen und auch der Störfallverordnung unterstehen. In den beiden Basel werden vorwiegend Tätigkeiten geringer Risiken der Klasse 2 durchgeführt. Die Abnahme der Meldungen hat zum Teil formale Gründe (Revision der ESV im 2012), zum Teil liegt es an betrieblichen Veränderungen. Es besteht aber weiterhin eine grosse Dynamik der Forschungsaktivitäten, die vorwiegend in den Universitätsinstituten und –kliniken sowie den beiden grössten Pharmakonzernen der Region lokalisiert sind.
Im Internet kann das aktuelle Verzeichnis aller Meldungen und Gesuche gemäss ESV abgerufen werden. 
 
Betriebskontrollen und angeordente Massnahmen
Die Kontrollen haben zum Ziel, die Eigenverantwortung zu fördern und das Sicherheitsbewusstsein zu stärken. In den meisten Fällen zeigte sich ein positives Bild.
 
In den ersten Jahren nach Inkrafttreten der ESV mussten mehrere Betriebe dazu angehalten werden, ihre Tätigkeit nach ihrem Risiko zu beurteilen und zu melden. Dank der Durchführung von regionalen und nationalen Informationsveranstaltungen und regelmässiger Inspektionen sind sich heute die Betriebe ihrer Aufgaben und Pflichten bewusst.
 
Auch heute werden bei Inspektionen immer wieder Mängel bei den technischen und organisatorischen Sicherheitsmassnahmen wie bspw. bei der Abfallentsorgung (Sterilisation im Autoklaven vor Ort) oder beim Einsatz von mikrobiologischen Sicherheitswerkbänken festgestellt. Diese werden auf Aufforderung der Vollzugsbehörde in der Regel korrigiert.
 
Die ESV verlangt, dass alle Sicherheitsmassnahmen in einem betrieblichen Biosicherheitskonzept festgelegt sind. Für einige Betriebe war dies eine Herausforderung, die sie nur mit Leitplanken und Unterstützung der Behörden meisterten.



Anzahl Betriebseinheiten (Gebäude) mit aktiven Tätigkeiten nach Risikoklasse BS/BL 2013 -> Zahlen 2014 BS: Klasse 1 = 2, Klasse 2 = 59, Klasse 3 = 6
Zahlen BL: Klasse 1: 17, Klasse 2: 36, Klasse 3: 1


ESV-Tätigkeiten in beiden Basel seit 2002 -> Zahlen 2014 BS: 389 Meldungen
Zahlen BL: 59 Meldungen


Inspektionen 2014 BS = 9
Inspektionen 2014 BL: 4


Bei Bedarf werden auch Probenahmen durchgeführt, um die Wirksamkeit der Einrichtungen (z.B. von Zentrifugen) im Verhindern des Austritts von Mikroorganismen direkt zu überprüfen. Dank dem Biosicherheitslabor am Kantonalen Laboratorium Basel-Stadt, wo laufend neuartige molekularbiologische Methoden entwickelt werden, kann ein ständig breiter werdendes Spektrum von Mikroorganismen nachgewiesen werden. Die Resultate zeigen zwar generell ein gutes Bild, haben aber in einigen Betrieben schon zu Anpassungen von Sicherheitsvorkehrungen geführt.
 
Die Infrastruktur des Biosicherheitslabors wurde im 2005 mit dem Ausbau zum Regionallabor erheblich erweitert.

 


Probenerhebungen in der Region Basel und in anderen Kantonen durch das Biosicherheitslabor Basel-Stadt: Angaben in Anzahl Aufträgen (als Inspektionen) / Gesamtzahl der untersuchten Proben

2014:
BS 1 / 21
ZH 2 / 30
total 3 / 51


Links:
Biotechnologie beim Bundesamt für Umwelt:
» www.bafu.admin.ch/biotechnologie/index.html

 

Freisetzung von gentechnisch veränderten Pflanzen (GV-Pflanzen)
Eine Freisetzung von GV-Pflanzen ist gemäss Freisetzungsverordnung (FrSV) bewilligungspflichtig, beziehungsweise durch das im Gentechnikgesetz festgelegte Moratorium zurzeit verboten. Trotzdem konnten im Jahr 2012 Vorkommen von gentechnisch verändertem Raps (GV-Raps) im Raum Basel nachgewiesen werden. Davon betroffen sind einzelne Gleisanlagen im Auhafen, im Hafen Kleinhüningen und im Bahnhof St. Johann. Die Quelle des Eintrages ist nicht bekannt. Die zuständigen Logistikfirmen haben aber weder GV-Raps umgeschlagen noch bewusst freigesetzt. Es zeigt sich, dass eine Nulltoleranz von GV-Rapsvorkommen nicht realisierbar ist, da der GV-Raps über diffuse Quellen eingetragen werden kann. Mit den Logistikfirmen wurden Massnahmen vereinbart, um eine unkontrollierte Verbreitung vom GV-Raps sowie eine Auskreuzung mit Wildpflanzen zu verhindern.

 


GV-Rapspflanze, welche resistent gegen das Herbizid Glyphosat ist. Die umliegende Vegetation hat auf das Herbizid reagiert und ist abgestorben.

Kontrolle der angeordneten Massnahmen

Die Überwachung der betroffenen Gebiete durch die Vollzugsbehörden, die Selbstüberwachung durch die betroffenen Firmen und die rasche Entfernung und Entsorgung von neu aufkommenden GV-Rapspflanzen lief im 2012 an und wird bis auf Weiteres durchgeführt.
Im Auhafen im Kanton Basellandschaft wurden 2014 drei Bekämpfungen durchgeführt. Bei den Nachkontrollen konnte kein Durchwuchs von GV-Raps festgestellt werden. Somit wurden nach 2013 auch 2014 keine GV-Rapspflanzen mehr nachgewiesen. der Auhafen wird weiterhin überwacht.
Im Kanton Basel-Stadt wurden 2014 vier Bekämpfungen durch die Betriebe und vier vor Ort Kontrollen durch die Vollzugsbehörden vorgenommen. Im Rahmen dieser Kontrollen wurden durch das Biosicherheitslabor Basel-Stadt  1464 Rapspflanzen untersuch, wobei 38 davon gentechnisch verändert waren. Die letzte Kontrolle im Herbst 2014 zeigte, dass keine GV-Rapspflanzen nachgewiesen werden konnten. Dies ist ein Beleg für den Erfolg der Bekämpfungs- und Kontrollmassnahmen. Die Hotspots müssen aber in den nächsten Jahren weiterhin überwacht werden, da aufgrund der Rapsbiologie und dem Vorkommen von GV-Raps im Frühling, mit einem erneuten Austreiben von GV-Raps zu rechnen ist. Nur so kann das Schutzziel, eine Ausbreitung von GV-Raps zu verhindern, erreicht werden.