Energiepolitik

Beide Kantone befürworten den Atomenergie-Ausstiegsentscheid und die Energiestrategie 2050 des Bundes. Es gilt nach wie vor, dass primär der Energieverbrauch zu reduzieren bzw. die Effizienz zu steigern ist und sekundär der Restbedarf an Energie nachhaltig zu decken ist. Beide Kantone sind eingebunden in das Programm «EnergieSchweiz» des Bundes. Sie sind federführend bei der Umsetzung im Gebäudebereich und der Förderung von energieeffizienten Anlagen. Der Bund übernimmt die Federführung bei den serienmässig hergestellten Anlagen, Fahrzeugen und Geräten.  
 
Reduktion des Energieverbrauchs
 
Zielvorgabe und gesetzlicher Standard: 2009/2010 erhielten beide Kantone eine neue Verordnung zum Energiegesetz mit z.T. erheblichen Verschärfungen. Die Anforderungen an die Gebäudehülle entsprechen denjenigen des Minergie-Standards. Die beiden Verordnungen sind inhaltlich weitgehend deckungsgleich, soweit dies die kantonalen Energiegesetze erlauben und sie bilden die Basis für einen konsequenten Vollzug. Mit dieser täglichen Kleinarbeit werden die geplanten Bauten und Anlagen auf den gesetzlich vorgeschriebenen Energieverbrauch geprüft. Schärfere Standards wie «Minergie» oder «Minergie P» sind freiwillig, Minergie-P-Neubauten werden finanziell gefördert.
Der Kanton Basel-Stadt hat im Legislaturplan festgelegt, dass die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft erreicht werden sollen. Mit Hilfe einer externen Studie wurde ermittelt, dass mittels entsprechender Massnahmen dieses Ziel bis ca. 2075 erreichbar ist.
Auch der Kanton Basel-Landschaft orientiert sich in seiner Politik an den langfristigen Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft. Im neuen Legislaturplan und im kantonalen Energiegesetz sind darauf abgestimmte quantifizierte Zwischenziele vorgegeben.
 
Sanierung von Altbauten: In der Sanierung von Altbauten steckt ein grosses Einsparpotenzial, siehe auch Grafik im Abschnitt «Energieeffizientes Bauen». Die Verschärfungen in den neuen Verordnungen wirken sich auch in erheblichem Mass auf Sanierungen und sanierte Bauteile aus. Die gesetzlichen Massnahmen werden ergänzt durch die Anreizpolitik von Bund und Kantonen (siehe auch Kapitel «Förderung»).
 
Neue, erneuerbare Energien: Neben der Reduktion des Verbrauchs ist das Bereitstellen von umweltfreundlichen Energien eine zentrale Aufgabe der Energiepolitik. Im Berichtszeitraum sind folgende wesentlichen Projekte bearbeitet worden:

 
Geothermie Heizkraftwerk: («hot dry rock»)
Die Bohrungen wurden Ende 2006 wegen der aufgetretenen Erderschütterungen eingestellt. Das Projekt wird gestützt auf einer Risikoanalyse nicht weiter verfolgt.
Holzheizkraftwerk:
Das Projekt im Umfang von Fr. 30 Mio. wurde Ende 2008 in Betrieb genommen und läuft plangemäss. Die regionalen Wald- und Restholzaufkommen werden auf dem Areal der KVA zu thermischer und elektrischer Energie umgewandelt.
Vergärungsanlagen in Pratteln, Ormalingen und Liesberg
Bei der Autobahnraststätte Pratteln baute die Biopower Nordwestschweiz AG eine Vergärungsanlage, welche seit 2006 aus Biomasseabfällen Biogas produziert und ins Erdgasnetz bzw. zu den Tankstellen leitet. Eine weitere, kleinere Vergärungsanlage liefert seit 2008 Strom in Ormalingen, eine mittlere Anlage der Kelsag/Biopower AG produziert seit 2011 Strom in Liesberg
 


In Basel-Landschaft konnten viele neue Holzfeuerungsanlagen in Betrieb genommen werden. In Pratteln ging ein Holzgas-Blockheizkraftwerk für einen Wärmeverbund ans Netz.
Dampfturbine RSMVA:
In der «Regionalen Sondermüllverbrennungs-Anlage» (RSMVA) wird der hochgespannte Dampf nicht mehr adiabat «vernichtet», sondern über eine Dampfturbine zu Strom gewandelt.
In beiden Kantonen ist eine beträchtliche Zunahme an thermischen und photovoltaischen Solaranlagen zu verzeichnen (Siehe Kapitel «Erneuerbare Energien») Dazu beigetragen hat das «1000 Dächer-Programm» der IWB, das Programm"100jetzt" des Vereins "Energie Zukunft Schweiz" für Gemeinden sowie das Programm „1000jetzt“ der EBL.
 


Energie begleitet uns bei allem was wir tun. Der zunehmende Verbrauch der begrenzten Rohstoffe und dessen Auswirkungen werden zum globalen Problem.

Bewusstseinsbildung

Mit folgenden Projekten wurde die Energieproblematik weiten Kreisen bewusst gemacht:
 
 
 
 

 
Beide Kantone engagierten sich als «Pilotregion Basel» im Projekt NOVATLANTIS der 2000-Watt-Gesellschaft. Für Projekte mit Pilot- und Demonstrationscharakter hat der Grosse Rat für die Periode 2009-2012 einen Kredit von SFR 920'000.- gesprochen. Für 11 konkrete Projekte in den Bereichen Bauen, Fahrzeuge und erneuerbare Energien (Periode 2013-2016) hat der Grosse Rat zudem einen weiteren Kredit von 2.6 Mio. Franken bewilligt.
Die SUN21 wurde jährlich mit namhafter Unterstützung der beiden Kantone durchgeführt.
Beide Kantone engagieren sich beim Label «Energiestadt». Im Kanton Basel-Landschaft tragen mittlerweile 16 Gemeinden dieses Label. Im Stadtkanton haben die Gemeinde Riehen sowie die eigentliche Stadt Basel den «golden award»erhalten, die dritte Gemeinde Bettingen ist ebenfalls Energiestadt.
In Basel-Stadt wird das Projekt «Klimaneutrale Verwaltung» seit Mitte 2008 umgesetzt.
Ziel ist es, den CO2-Ausstoss von Gebäudepark und der Fahrzeugflotte zu reduzieren und den verbleibenden Rest mit zugekauften Zertifikaten auszugleichen.
Zahlreiche Aktionen; verschiedene Zielgruppen (Autofahrer; Unternehmen der Energiebranche; Hausbesitzer; Mieter) wurden gezielt angesprochen und zu energieeffizienten Massnahmen animiert.