Feinstaub vor allem im Winter ein Problem

Wir belasten tagtäglich unsere Atemluft mit Abgasen. Das Wetter (Wind, Regen) sorgt dafür, dass die verschmutzte Luft verdünnt, gereinigt und wegtransportiert wird. Ungünstige Wetterlagen machen die Luftverschmutzung fühlbar, wie zum Beispiel im Winter 2006.
 
Ungünstig ist die Wetterlage dann, wenn sich die verschmutzte Luft nicht mit unbelasteter Luft der Atmosphäre vermischt und verdünnt und wegtransportiert werden kann. Dies ist der Fall wenn unten in den Tälern kalte Luft liegt und von warmer Luft überlagert wird. Solche Inversionslagen können im Winter über mehrere Tage hinweg vorkommen. Dann bleibt die verschmutzte Luft im Kaltluftsee liegen und die Schadstoffe akkumulieren sich in dieser Schicht über Tage.

 

Hochdrucklagen mit Inversionen sind im Winter 2006 zweimal vorgekommen. Vor allem in der zweiten Phase sind die Feinstaub-Belastungen auf mehr als das Doppelte des Tagesgrenzwertes gestiegen. Diese hohen Belastungen waren nicht nur auf die Region Basel beschränkt sondern traten auch im Schweizerischen Mittelland flächendeckend auf. Aufgrund der hohen und lang dauernden Belastungen haben 11 Kantone in der Deutschschweiz als Massnahme vom Samstag 4. bis Mittwoch 8. Februar 2006 auf dem Autobahnnetz Tempo 80 verfügt, darunter auch der Kanton Basel-Landschaft (im Kanton Basel-Stadt ist die maximale Geschwindigkeit auf der Autobahn permanent auf 80 Km/h begrenzt). Diese Massnahme wurde von den Verkehrsteilnehmenden sehr gut befolgt, und am Sonntag ging das Verkehrsvolumen um rund 15% gegenüber dem üblichen Sonntagsverkehr zurück. Die Auflösung der Inversion, Regen und Wind trugen auch dazu bei, dass die Feinstaubkonzentration zurück ging. Vergleichbare Feinstaub-Belastungen traten in der Nordwestschweiz in den Wintern 2003 und 1997 auf.



Unter der Inversionsschicht nimmt die Feinstaub-Belastung von Tag zu Tag zu. Erst Regen, Schnee und Wind reinigen die Atmosphäre.

Nationale Massnahmen werden gefordert.
Auf dem medialen Druck und der Erwartungshaltung der Bevölkerung nach Entlastungsmassnahmen haben die politischen Verantwortlichen von 11 Kantonen mit einer Senkung der Höchstgeschwindigkeit auf 80 Km/h auf den Autobahnen reagiert. Allerdings waren die Kantone auf eine solche lang dauernde Belastungsphase nicht vorbereitet. Die Bau-, Planungs- und Umweltschutzdirektoren der Kantone (BPUK) veranlassten in deren Folge die Erarbeitung eines koordinierten Interventionskonzeptes, um solche Situationen zu entschärfen. Gestützt auf diesem Konzept habendie Regierungsräte des Kantons Basel-Stadt und des Kantons Basel-Landschaft am 13. Februar 2007 jeweils eine Smog-Verordnung verabschiedet. Die Verordnungen sehen eine Informations- und zwei Interventionsstufen vor:

 
Beträgt die Konzentration das Anderthalbfache des Immissionsgrenzwertes von 50 Mikrogramm/m3, also 75 Mikrogramm/m3, so informieren die Kantone über die aktuellen Werte und rufen zu freiwilligen Massnahmen auf.

Steigt die Konzentration auf über 100 Mikrogramm/m3 und ist mit einer stabilen Wetterlage zu rechnen, tritt die Interventionsstufe 1 in Kraft: Sie umfasst Tempo 80 auf Autobahnen inklusive Lastwagen-Überholverbot, ein Verbot für Feststofffeuerungen, die als Komfortheizungen (Cheminées, Schwedenöfen etc.) genutzt werden. Ebenso wird das Feuern im Freien verboten, das selbe gilt für das Abbrennen von Feuerwerk. Brauchtumsfeuer (z.B. Fasnachtsfeuer) sind vom Verbot ausgenommen.

Steigt die Konzentration auf über 150 Mikrogramm/m3, tritt die Interventionsstufe 2 in Kraft. In einem solchen Fall ist die Benutzung grosser Baumaschinen ohne Partikelfilter eingeschränkt.
 

Die vorgesehenen Massnahmen sind nur für die Dauer der austauscharmen Wettersituation vorgesehen und werden mit den Kantonen der Nordwestschweiz abgestimmt.

 

Was ist Feinstaub?
Feinstaub besteht aus Partikeln mit einem Durchmesser von weniger als 10 Tausendstel-Millimeter, was etwa einem Zehntel des Durchmessers eines menschlichen Haares entspricht. Feinstaub besteht aus einer Vielzahl von Komponenten. Feinstaub besteht aus so genannten primären und sekundären Partikeln.

 
Primäre Partikel gelangen direkt in die Atmosphäre. Quellen sind die unvollständige Verbrennung von Brenn- und Treibstoffen, industrielle Prozesse, Abrieb von Reifen, von Strassenbelägen, Bahnschienen und Bremsen und Staubemissionen von Holzfeuerungsanlagen.

Sekundäre Partikel bilden sich erst in der Luft aus gasförmigen Stoffen wie Ammoniak, Stickoxiden, Schwefeldioxid und organischen Verbindungen. Je nach Situation können sie bis zu 40-60% der Immissionen betragen.
 

Aus gesundheitlicher Sicht sind vor allem die sehr kleinen, Krebs erzeugenden Russpartikel bedenklich. Je kleiner die Partikel sind, umso tiefer dringen sie bis in die feinsten Verästelungen der Lunge ein. Von dort gelangen sie zum Teil in die Lymph- und Blutbahnen und werden dadurch im ganzen Körper verteilt. Feinstaub wird deshalb mit verantwortlich gemacht für Erkrankungen der Atemwege (Atemnot, chronischer Husten, Bronchitis, Lungenkrebs), aber auch für Herz-Kreislauf-Beschwerden.
 
Die Folgen der Luftverschmutzung durch Feinstaub sind gravierend. Für die Schweiz wird geschätzt, dass jährlich 1,7 Millionen-Tage infolge Krankheiten ausgelöst durch Luftverschmutzung für wirtschaftliche Produktionsprozesse ausfallen.
 
Links:
Informationen zu Feinstaub vom Bundesamt für Gesundheit (BAG)
» www.feinstaub.ch