Fluglärm

Die Bedeutung des Luftverkehrs als Mobilitätsträger ist ungebrochen. Wohn- und Lebensqualität im Einzugsbereich der Flughäfen zu gewährleisten und die Lärmauswirkungen des Luftverkehrs zu minimieren, bleibt damit ein prominentes Thema an den Flughafenstandorten. Neben raumplanerischen und baurechtlichen Vorkehrungen in der Hand der betroffenen Gebietskörperschaften steht die Lärmminderung an den Flughäfen durch optimierte An- und Abflugverfahren oder durch Einschränkungen der Betriebszeiten im Vordergrund.

 

Fluglärmsituation in der Region Basel
Der EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg gehört zweifelsohne zu den zentralen Verkehrsinfrastrukturen in der Regio TriRhena. Er ist ein mitbestimmender Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft.
 
Nach dem grossen Einbruch als Folge der Luftfahrtkrise vom Herbst 2001 steigen die Verkehrszahlen am EuroAirport seit 2004 wieder an. Dabei legt das Passagieraufkommen weitaus stärker zu als die Flugbewegungen. Grund dafür ist der vermehrte Einsatz von Flugzeugtypen mit grösserer Sitzplatzkapazität bei gleichzeitig steigender Auslastung.



Verkehrsentwicklung am EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg

In der Region Basel ergibt sich eine entspannte Fluglärmsituation. Die regelmässigen Fluglärmmessungen des EuroAirports sowie der vom Bund publizierte Lärmbelastungskataster zeigen, dass die Immissionsgrenzwerte der Lärmschutzverordnung in den benachbarten Schweizer Gebieten in den letzten Jahren stets eingehalten wurden.
 
Dargestellt sind die Werte für den äquivalenten Dauerschallpegel (Leq) in Dezibel. Der Leq ist das übliche Mass zum Beschreiben einer Lärmbelastung über längere Zeit. Er entspricht jenem konstanten Schallpegel, der die gleiche Schallenergie enthält wie alle einzelnen Lärmereignisse zusammen während einer bestimmten Zeit.
Leq total: umfasst alle Lärmkomponenten,
Leq AC: umfasst alle Fluglärmereignisse für die 16 Tagestunden. In Wohnzonen, die der Lärm-Empfindlichkeitsstufe (ES) II zugeordnet sind, beträgt der Immissionsgrenzwert 60 dB(A)
Leq AC22: umfasst alle Fluglärmereignisse für die erste Nachtstunde (22:00 Uhr bis 23:00 Uhr). Der Immissionsgrenzwert der ES II beträgt hier 55 dB(A).
Leq AC23 resp. Leq AC05: umfasst alle Fluglärmereignisse für die zweite resp. letzte Nachtstunde (23-00 Uhr resp. 05-06 Uhr). Der Immissionsgrenzwert der ES II beträgt hier 50 dB(A). 
 
Auch die von den Regierungen der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft eingesetzte Fluglärmkommission beurteilt die Fluglärmsituation am EuroAirport in den Jahren 2001 bis 2014 im Ganzen gesehen als unproblematisch. Ursache dafür ist aber nicht allein der Rückgang der Flugbewegungen, sondern vor allem auch die am EuroAirport vorangetriebenen Lärmminderungsmassnahmen.



Fluglärmwerte in der Region Basel

Massnahmen am EuroAirport zum Schutz vor Fluglärm
Betriebsbeschränkungen bestehen in den Nachtstunden. So gilt zwischen 24:00 Uhr und 06:00 Uhr ein generelles Start- respektive bis 05:00 Uhr ein generelles Landeverbot. Zusätzliche Einschränkungen bestehen für besonders laute Maschinen, Charter- und Trainingsflüge sowie für die sogenannte Allgemeine Luftfahrt.

Seit Januar 2004 gibt zudem das vom französischen Verkehrsminister erlassene «Arrêté d’exploitation» die Möglichkeit, Übertretungen der Betriebsregeln mit Geldstrafen zu ahnden.

Zentral ist die Optimierung der An- und Abflugverfahren. Angestrebt wird, unter Wahrung der Bedingungen der Flugsicherheit möglichst wenig Siedlungsgebiet zu überfliegen und die Verfahren für Flüge über bewohntem Gebiet so zu gestalten, dass die Lärmimmissionen gering bleiben. Generell ist heute das Pistensystem in Nord-Süd-Richtung ausgelegt. Landungen erfolgen hauptsächlich von Norden; gestartet wird nach Süden.

Abflüge über den Bereich im Süden des Flughafens erfolgen primär so, dass die dicht besiedelten Gebiete der Gemeinde Allschwil oder von Basel-West mit einem Rechtsschwenk S-förmig umflogen werden. Für direkte Abflüge zu den südlichen Ausgangspunkten BASUD und Hochwald wird der 1998 in der Direktstartvereinbarung festgelegte Rahmen mit Begrenzungen hinsichtlich Anzahl von Starts, Betriebszeiten und Flugzeugtypen eingehalten. Bei Landungen von Süden führt das eingesetzte Instrumentenlandesystem (ILS 33) im Vergleich zum ursprünglichen Sichtanflugverfahren zu einer Lärmentlastung in den pistennahen Gebieten. Allerdings steigt die Zahl der – in grösserer Höhe – neu überflogenen Personen in weiter vom Flughafen entfernten Gebieten (siehe unten). Die Nutzungsbedingungen des ILS 33 werden durch ein zwischen der Schweiz und Frankreich im Februar 2006 getroffenes Abkommen geregelt.

Zusätzlicher Schutz wird durch bauliche Massnahmen am Flughafen erreicht. So u.a. mit dem 1997 errichteten Lärmschutzhangar („Silencer“) für Motorentests in der Nacht oder der Verlängerung der Ost/West-Piste im Jahre 2002. Die Gebührenordnung am EuroAirport setzt zudem Anreize zum Einsatz lärmarmer Flugzeuge, indem abhängig von der Lärmklassifizierung ein Zuschlag zur Landegebühr erhoben wird.

Das ILS 33 ersetzt die bisherigen Sichtanflüge von Süden

Seit dem 20. Dezember 2007 ist das neue Verfahren für Südlandungen am EuroAirport in Betrieb - das Instrumentenlandesystem für die Piste 33 (ILS 33).
Am EuroAirport landen die Flugzeuge grundsätzlich von Norden und starten nach Süden oder nach Westen. Bei Nordwind muss aus Sicherheitsgründen in umgekehrter Richtung gelandet und gestartet werden (in Anwendung des weltweit gültigen Grundsatzes «Starten und Landen gegen den Wind»). Weil die Pistenrichtung windabhängig ist, kann der Südlandeanteil erheblich schwanken und betrug in den vergangenen Jahren zwischen 6 und 10% pro Jahr. In einzelnen Monaten wurden über 20% erreicht.
Bis Ende 2007 wurden Südlandungen im Sichtflug (auf der Abbildung: gelb) abgewickelt. D.h. die Pilotinnen und Piloten landeten ihre Maschine auf Sicht und ohne Leitstrahl. Weil der Sichtanflug kein Präzisionsverfahren ist, war die Streuung der Flugzeuge gross.

Das bisherige Sichtanflugverfahren wurde durch das ILS 33 ersetzt (auf der Abbildung: grün). Neu drehen die Flugzeuge im Raum Balsthal auf die Pistenachse ein und beginnen nach Empfang des Leitstrahls mit dem gleichmässigen Sinkflug. Die Flugzeuge landen in exakter Verlängerung der Piste von Süden.

Fluglärmüberwachung

Die kontinuierliche Fluglärmmessung bildet die Grundvoraussetzung für die Lärmschutzmassnahmen am EuroAirport. Der Flughafen betreibt dafür ein Netz mit 13 Lärmmessstationen in der Schweiz, in Frankreich und in Deutschland. Mit dem CIEMAS Datenerfassungs- und Analysesystem verfügt er über ein modernes Mittel, um die Fluglärmentwicklung zu beobachten und die Einhaltung der Betriebseinschränkungen zu überwachen.

Aufgaben
Wie andere Verkehre auch unterliegt der Flugverkehr einer dynamischen Entwicklung. Ebenso wenig kann daher der Fluglärmschutz statisch betrachtet werden. Es ist Daueraufgabe, immer wieder neue Lösungen zur möglichst guten Abstimmung der betrieblichen Interessen des Flughafens mit den Schutzbedürfnissen der Anwohnerschaft zu erarbeiten. Dabei bildet vor allem auch die Frage der «Verteilung» der Fluglärmbelästigung auf die verschiedenen Gruppen von Betroffenen eine Herausforderung.

Zu vervollständigen ist der raumplanerische Rahmen am EuroAirport. Während für die Steuerung der Bautätigkeit rund um den Flughafen in Frankreich der «Plan Exposition Bruit» (PEB) in Kraft gesetzt worden ist, steht auf Schweizer Seite das Objektblatt für den EuroAirport im Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) noch aus. Grundlage dafür bildet der vom Bundesamt für Zivilluftfahrt erarbeitete Lärmbelastungskataster. Dieser wurde im November 2009 veröffentlicht. Das SIL-Objektblatt seinerseits fliesst in die kantonale Richtplanung in Basel-Landschaft und Basel-Stadt ein.

Grenzüberschreitendes
Der binationalen Status des Flughafens und seine Lage im Dreiländereck stellen eine besondere Herausforderung für die Fluglärmpolitik am EuroAirport dar. Den grenzüberschreitenden Dialog zu ermöglichen ist besondere Aufgabe der Umweltgremien am EuroAirport. Die seit 2001 bestehende Trinationale Umweltkommission ebenso wie die Fluglärmkommission BS / BL haben dazu beigetragen, dass die Fluglärmdiskussion rund um den EuroAirport auf Basis eines grundsätzlichen gegenseitigen Verständnisses erfolgt und es in der Regio TriRhena nicht zu einer Verhärtung ähnlich wie am Flughafen Zürich gekommen ist.
 
Links:
EuroAirport – Basel-Mulhouse-Freiburg, Thema Umwelt:
» www.euroairport.com

Fluglärmkommission der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft, Jahresberichte:
http://http://http://www.grosserrat.bs.ch/de/geschaefte-dokumente/datenbank(Weitere Berichte)

Bau- und Umweltchutzdirektion des Kanton Basel-Landschaft, Informationen über Luftverkehr und EuroAirport:
» www.baselland.ch/luftverkehr

ACNUSA (Autorité de contrôle des nuisances sonores aéroportuaires), Flughafen Basel-Mulhouse:
» www.acnusa.fr/index.php/fr/les-aeroports/aeroports-acnusa/bale-mulhouse/28

Bundesamt für Zivilluftfahrt:
» www.bazl.admin.ch



Gelb markiert das frühere Verfahren auf Sicht (in einem Bogen über das Sundgau, Schönenbuch und Allschwil, teilweise auch Binningen). Grün markiert das neue Verfahren via ILS 33. In jeweils hellerer Farbe sind die Zonen markiert, welche mit unter 1'000 M.ü.M überflogen werden


Auszug aus dem Lärmbelastungskataster für die 1. Nachtstunde (22.00 - 23.00 Uhr). Die äusserste resp. zweitäusserste Kurve umhüllt die Gebiete mit Überschreitungen des Planungswertes resp. Immissionsgrenzwerte der Lärm-Empfindlichkeitsstufe (ES) II


Betriebseinschränkungen am EuroAirport (Stand März 2009)


Radarspuren aller landenden (blau) und startenden (rot) Flugzeuge am 22. Januar 2008 (gemischter Tag: Landungen von Norden und von Süden ILS33)


Aufteilung der Abflüge pro Tag am EuroAirport nach Ausgangspunkten (2009 im vgl. zu 2008/2007)


Schematische Darstellung des CIEMAS-Systems


Stationierung der Lärmmessanlagen: Fixe Messstationen: Pistenschwellen (1, 2, 3, 4), Terminal (5), Blotzheim (6). Semi-mobile Messcontainer: Bartenheim (7), Basel-Neubad (8), Allschwil (9), Efringen-Kirchen (10). Mobile Messstationen: Hésingue (I), Binningen (II), Neuwiller (III)