Industrie und Gewerbe

Seit Inkrafttreten des ersten Gewässerschutzgesetzes im Jahre 1975 wurden in allen abwasserrelevanten Industrie- und Gewerbebetrieben Abwasservorbehandlungsanlagen installiert. Die dadurch erreichte Verminderung der Gewässerbelastung gilt es heute durch systematische Kontrollen der Abwasserverhältnisse langfristig sicherzustellen.
 
Welche Betriebe sind abwasserrelevant?
Betriebe gelten als abwasserrelevant, wenn sie Wasser als Folge eines gewerblichen oder industriellen Prozesses verändern. Zu den gängigen Belastungen zählen unter anderem Schwermetalle oder Kohlenwasserstoffe (Öle, Fette, etc.), hohe oder tiefe pH-Werte (Säure-Werte), aber auch Veränderungen der Temperatur. Komplizierter zeichnet sich das Bild in der chemischen Industrie. Durch die Vielzahl der verschiedenen Ausgangsstoffe, Zwischenprodukte, Abbauprodukte und veredelten Endprodukte sind die Abwasserströme der verschiedenen Produktionsprozesse mit tausenden von Substanzen verunreinigt. Die Beurteilung des Chemieabwassers und das Ergreifen adäquater Massnahmen für dessen Vorbehandlung zählen daher zu den grossen Herausforderungen der Industrie wie auch der kantonalen Fachstelle.

 


Abwasserfahne der ehemaligen Firma Sandoz im Jahre 1965, aus Staatsarchiv


Welche Abwasservorbehandlungsanlagen sind in den Betrieben installiert?
In der Eidgenössischen Gewässerschutzgesetzgebung sowie den massgebenden Ausführungsbestimmungen sind die Anforderungen an die Einleitung in die verschiedenen Entwässerungssysteme formuliert. Falls ein Betrieb die gesetzlichen Grenzwerte überschreitet, muss eine entsprechend dimensionierte Abwasservorbehandlungsanlage installiert werden. Wo keine Grenzwerte festgelegt sind, kann die Behörde entsprechende Werte festlegen. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist das Einhalten des Standes der Technik.

 

Im Kanton Basel-Stadt sind bei Industrie- und Gewerbebetrieben derzeit rund 871 Abwasservorbehandlungsanlagen eingebaut. Art und Anzahl der im Stadtkanton realisierten Behandlungsmethoden sind in der nebenstehenden Grafik dargestellt.
 
In den Industrie- und Gewerbebetrieben des Kantons Basel-Landschaft werden mehr als 700 Abwasservorbehandlungsanlagen betrieben, welche vom Kanton bewilligt und <xml></xml>direkt oder im Rahmen einer Branchenvereinbarung kontrolliert werden. Die Grafik rechts zeigt die mengenmässige Verteilung der Anlagen auf die verschiedenen Branchen. Mineralöl- und Fettabscheider werden von den Gemeinden bewilligt und kontrolliert.
 
Die Installation der Abwasservorbehandlungsanlagen führte zu einem markanten Rückgang der Abwasserbelastung und – als direkte Folge – zu einer wesentlichen Verbesserung der Gewässerqualität. Heute ist ein Bad im kühlen Nass des Rheins problemlos möglich. Um die Erfolge im Gewässerschutz auch in Zukunft weiterzuführen, ist eine systematische Kontrolle aller abwasserrelevanten Betriebe von grundlegender Bedeutung.
 
Wie werden die Betriebe heute kontrolliert?
Im Rahmen der abwassertechnischen Überprüfung eines Betriebes wird die Funktionstüchtigkeit der Abwasservorbehandlungsanlage kontrolliert und die abgeleiteten Abwässer im Hinblick auf die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte auf relevante Schadstoffe untersucht. Im Sinne einer integralen Kontrolle werden zusätzlich die Gebindelagerung und die Entsorgung der Sonderabfälle unter die Lupe genommen, denn ein unsachgemässer Umgang mit wassergefährdenden Stoffen kann via Boden oder Kanalisation ebenfalls zu Gewässerverschmutzungen führen.



Art und Menge der Abwasservorbehandlungsanlagen im Kanton Basel-Stadt


Vorbehandlungsanlagen im Kanton Basel-Landschaft


Unsachgemässe Lagerung von wassergefährdenden Stoffen


Die umfassende Überprüfung der umweltrelevanten Tätigkeiten durch nur eine einzige Fachbehörde stösst bei den Betrieben auf ein äusserst positives Echo. Um dem integralen Kontrollansatz noch vermehrt Rechnung zu tragen und die Eigenverantwortung der Betriebe zu fördern, gelangen heute neue Vollzugsinstrumente, wie z.B. Eigenkontrollmodelle oder Kooperationslösungen zur Anwendung. Betriebe, welche an einer entsprechenden Branchenlösung teilnehmen und das Umweltmonitoring gewissenhaft wahrnehmen, werden von der kantonalen Fachstelle nur noch stichprobenweise, im Sinne einer übergeordneten Kontrolle überprüft. Die übrigen Betriebe unterliegen der systematischen Kontrolltätigkeit der Kantone oder – je nach Branchenmodell – eines privaten Fachunternehmens.
 
Unsachgemäss betriebene Anlagen setzen erhöhte Mengen Schadstoffe frei, die im Zulauf von kleinen Kläranlagen zu Unregelmässigkeiten führen können. Sobald entsprechende Anzeichen auftreten, versuchen die kommunalen und kantonalen Fachstellen die verursachenden Betriebe ausfindig zu machen und Korrekturmassnahmen anzuordnen.

 

Welche Probleme erwarten die Betriebe und die Kantone in der Zukunft?
Die Anstrengungen im Gewässerschutz konzentrieren sich heute auf die problematischen organischen Schadstoffe, die in den Abwasserreinigungsanlagen nicht oder nur ungenügend abgebaut werden und deren negative Wirkung auf Mensch und Umwelt erst durch wissenschaftliche Erkenntnisse der jüngsten Vergangenheit bekannt wurde. In diese Stoffkategorie fallen vor allen Dingen die hormonaktiven Substanzen, wie z.B. Medikamente oder synthetische Duftstoffe. Die wirksamsten Lösungen zur Vermeidung und Verminderung dieser Stoffe sind einerseits deren Ersatz durch weniger problematische Verbindungen oder spezifische Abwasservorbehandlungsmassnahmen am Anfallsort, beispielsweise in der pharmazeutischen Produktion oder in Spitälern.