Schallschutz im Hochbau

Das gestiegene Ruhebedürfnis der Bevölkerung und die Fortentwicklung der internationalen Normung begründeten eine Revision der alten Norm SIA 181 «Schallschutz im Hochbau» aus dem Jahre 1988
 
Seit 1. Juni 2006 ist die Neuauflage der Norm SIA 181 für Neubauten und relevante Umbauten gültig. Auch die neue Norm gibt Vorgaben zum baulichen Schallschutz gegenüber externen und internen Lärmquellen, für Aussenbauteile, Trennbauteile, haustechnische Anlagen und feste Einrichtungen im Gebäude. Die gesetzlich einzuhaltenden Mindestanforderungen wurden moderat, um ca. 2 dB, angehoben. Die erhöhten Anforderungswerte wurden weitgehend beibehalten, sie gelten nun zwingend für Reihen- und Doppel-Einfamilienhäuser sowie für den Neubau von Stockwerkeigentum. Unter Einhaltung der Mindestanforderungen können nun auch spezielle Anforderungswerte vertraglich vereinbart werden. Auch die neue Norm gilt ausdrücklich unter der Voraussetzung einer normalen Nutzung. Sie behandelt aber nicht rücksichtlose Geräuschverursachung und nicht ausserordentliche Empfindlichkeit von Benutzerinnen und Benutzer.
 
Spektrum-Anpassungswerte berücksichtigen die subjektive Hörwahrnehmung besser
Durch die Aufnahme von frequenzspektralen Korrekturwerten in die Anforderungswerte (Spektrum-Anpassungswerte gemäss internationalen Normen – Ctr zum Luftschallschutz gegen Aussenlärm, C zum Luftschallschutz gegen Innenlärm, CI zum Trittschallschutz, Ctr,50-3150 zum Luftschallschutz mit Bewertung ab 50 Hz bei Discos und speziellen Produktionsbetrieben) ist ein Vergleich mit der Vornorm nur noch bedingt möglich. Für die Optimierung der baulichen Schallschutzmassnahmen unter Berücksichtigung des speziellen Charakters der Störgeräusche stellen diese neuen Werte ohne Zweifel einen Fortschritt dar, bedeuten aber auch eine gewisse Komplizierung und erhöhten Aufwand bei der Planung und beim Schallschutznachweis.
 
Neue Anforderungswerte für den Schallschutz gegen Aussenlärm in der Nacht
Wie schon bisher, werden die Anforderungswerte aufgrund der Aussenlärmbelastung (Beurteilungspegel nach den Vorschriften der eidgenössischen Lärmschutz-Verordnung) festgelegt. Neu ist die Berücksichtigung der Nachtzeit und die explizite Einbeziehung des Beurteilungspegels in den Anforderungswert. Je nach planmässiger Nutzung eines Aufenthaltsraumes (z.B. Büro oder Schlafraum) gilt nun der entsprechende Anforderungswert für die Tages- oder Nachtzeit. Bei Mischnutzung ist die strengere Anforderung massgebend. Zusammen mit der Berücksichtigung des Spektrum-Anpassungswertes wird damit bei Neubauten und Sanierungen ein deutlich höheres Schallschutzniveau gegen Aussenlärm erreicht als bisher.
 
Schutz gegen Erschütterungen und Körperschall von aussen
Für die Beurteilung der Körperschallübertragung infolge externer Quellen (z.B. Verkehrsträger, Maschinen in Industrie und Gewerbe, Baustellen, Freizeitanlagen wie Fitnessräume oder Diskotheken) ist bis 2014 die Herausgabe der eidg. Verordnung über den Schutz vor Erschütterungen geplant. Die neue Norm SIA 181 verweist explizit auf dieses Beurteilungsinstrument.
 
Spezielle Anforderungswerte bei tieffrequenter Geräuschübertragung
Für den Schallschutz innerhalb eines Gebäudes gegenüber öffentlichen Lokalen mit Musikbetrieb (z.B. Nachtclub, Discothek) oder Produktionsbetrieben mit erheblich tieffrequenten Emissionen gelten gemäss der neuen Norm spezielle Anforderungswerte unter Einbeziehung des im «lauten Raum» gemessenen, oder für diesen prognostizierten, A-bewerteten äquivalenten Dauerschallpegels LAeq(t) und des Spektrum-Anpassungswertes Ctr,50-3150. Die Beachtung der tiefen Frequenzen erfordert hinsichtlich der Schallschutzmassnahmen einen hohen planerischen und baulichen Aufwand. In Gebäuden mit anderen Nutzungseinheiten sollte die Einrichtung eines Lärm verursachenden Lokals oder Produktionsbetriebes mit tieffrequenten Emissionen insbesondere mit nächtlichen Betriebszeiten nach Möglichkeit vermieden werden.
 
Weitere Neuregelungen hinsichtlich Schallschutz und Raumakustik
Bei der Messung von impulshaltigen Benutzungsgeräuschen haustechnischer Anlagen und fester Einrichtungen in üblichen Wohnbauten (z.B. das Schliessen des WC-Deckels oder das Abstellen harter Gegenstände auf Badewanne, Lavabo oder Abstellfläche in Nasszellen) schreibt die neue Norm die Simulation mit einem speziellen, von der EMPA entwickelten, Pendelfallhammer vor.
 
Zur Gewährleistung eines ordentlichen Betriebs von Unterrichtsräumen und Sporthallen (ohne Publikum) werden Sollwerte für die Nachhallzeit vorgegeben. Hinsichtlich der Nachhallzeiten bei weiteren Nutzungen, Mischnutzungen und Sporthallen mit Publikum wird explizit auf die Norm DIN 18041 «Hörsamkeit in kleinen bis mittelgrossen Räumen» verwiesen.
 
Ausserdem gibt die neue Norm informativ Empfehlungen zum Schallschutz im eigenen Nutzungsbereich für Wohnung, Büro, Schule, Hotel, Altersheim, Spital und Räume für soziale Kontakte an.