Siedlungsentwässerung

Der Gewässerschutz im Siedlungsgebiet erfordert Massnahmen und Bauten, die mittel- und langfristig geplant und finanziert werden müssen. Zu diesem Zweck erstellen Städte, Gemeinden und Kläranlagenbetreiber generelle Entwässerungspläne (GEP). Für das gesamte Einzugsgebiet der Birs besteht zudem seit April 2006 ein regionaler Entwässerungsplan (REP), der 2009 aktualisiert wurde.

 

Generelle Entwässerungsplanung und deren Umsetzung
Die Generellen Entwässerungspläne (GEP) von   80 Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft sind fertiggestellt Zudem liegen für die sieben Einzugsgebiete regionaler Kläranlagen fertige Entwässerungskonzepte vor, welche auf die kommunlen GEP abgestimmt sind. Die GEP der drei Gemeinden des Kantons Basel-Stadt sind ebenfalls fertiggestellt und genehmigt. Damit sind die Grundlagen  geschaffen, um die massgeblichen Ziele der Siedlungsentwässerung und des Gewässerschutzes bis 2020 erreichen zu können.

Anhand von Zustandsberichten wurden im Rahmen der GEP-Bearbeitung jeweils Defizite ermittelt und der Handlungsbedarf dargestellt. Die Massnahmen im GEP sind mit Kosten und Terminen verbindlich festgelegt. In den GEP sind für folgende  Problemkreise angemessene Lösungen erarbeitet worden, welche mit den vorhandenen Mitteln aus den Abwassergebühren finanziert werden können:

 

Mischwasserentlastungen
Kläranlagen und Kanalisationen können nicht für den maximalen Abwasseranfall bei Regenwetter ausgelegt werden. Während starker Niederschläge muss das in die Mischkanalisationen eingeleitete und mit Schmutzwasser vermischte Regenwasser zu grossen Teilen direkt in die Gewässer eingeleitet werden. Viele dieser Entlastungsbauwerke erfüllen die Anforderungen des Gewässerschutzes nicht, weil zu viel verschmutztes Abwasser in die Gewässer gelangt. Durch den Bau dezentraler Versickerungsanlagen, getrennter Ableitung von Schmutz- und Regenwasser (Trennsysteme) und Speicherbecken muss dieses Problem mittel- bis langfristig gelöst werden. Im GEP wird die kostengünstigste Variante ermittelt. In Basel ist 2007 ein zusätzliches Mischwasserbecken mit einem Volumen von 10'000 m3 erstellt worden, im Kanton Basel-Landschaft werden bis 2020 weitere 19 Becken (bestehend 56) mit einem Volumen von insgesamt ca. 19'000m3 (bestehend 44'000 m3) erforderlich.

 

Fremdwasser
Neben höheren Kosten für die Abwasserreinigung kann Fremdwasser auch  den Betrieb der ARA beeinträchtigen. Im Kanton Basel-Landschaft werden einzelne Kläranlagen immer noch dauerhaft mit stetig fliessendem unverschmutzten Abwasser (Fremdwasser) belastet. In den eher nassen Jahren 2012 und 2013 war auch auf einigen regionalen Kläranlagen eine erhöhte Fremdwassermenge feststellbar, es führte jedoch nicht mehr zu wesentlichen betrieblichen Beeinträchtigungen. . Im Vergleich zu anderen Kantonen, stehen die beiden Basel inzwischen insgesamt sehr gut dar und die zahlreichen Fremdwassersanierung machen sich auf den Kläranlagen insgesamt sehr positiv bemerkbar.

 

Baulicher Zustand der Kanalisationen
Während sich die öffentlichen Kanalisationsnetze in den Gemeinden und der Stadt Basel weitgehend in einem befriedigenden oder guten Zustand befinden, muss der Zustand der privaten Hausanschlüsse kritischer beurteilt werden. Hier zeichnet sich für die nächsten Jahre ein hoher Sanierungsbedarf ab.

 


Typische Schadensbilder bei Hausanschlüssen


Regionale Entwässerungsplanung (REP)
Gemeinsam mit den Kantonen Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Jura und Solothurn wurde ein regionaler Entwässerungsplan (REP) für das gesamte Einzugsgebiet der Birs erarbeitet. Als Zielsetzung für die Birs und ihre Zuflüsse werden ein möglichst natürlicher Zustand und eine natürliche Dynamik unter angemessener Berücksichtigung der Schutz- und Nutzungsbedürfnisse des Menschen angestrebt.

Die Zustandsanalyse des REP Birs zeigt, dass:

 
der Gewässerschutz im Einzugsgebiet der Birs überwiegend einen guten Stand erreicht hat.
die Wasserqualität weitgehend als gut bezeichnet werden kann, auch wenn lokal teilweise noch deutliche Verbesserungspotentiale bestehen.
der Gewässerlebensraum hingegen in einem unbefriedigenden Zustand ist.
 

Seit April 2006 liegt der Massnahmenkatalog des REP Birs vor. Er beruht primär auf der Machbarkeit und dem Verhältnis von Kosten und Wirkung und orientiert sich eng am 2003 erschienen «Leitbild Fliessgewässer Schweiz – Für eine nachhaltige Gewässerpolitik» des BAFU. Die wichtigsten Massnahmen haben zum Ziel, grössere, zusammenhängende, naturnahe Gewässer- und Auenlandschaften zu schaffen und damit ursprünglich heimische Tierarten wieder anzusiedeln sowie die Siedlungsentwässerung und Abwasserbehandlung weitgehend zu verbessern. Mit der Umsetzung können die ökologischen Ziele insgesamt bis 2050 erreicht werden.Konkret werden an der Birs und ihren Hauptzuflüssen 380 künstliche Hindernisse entfernt oder entschärft, 140 km Flussufer aufgewertet sowie 80 ha Uferfläche für Auen und als Überschwemmungsfläche wieder freigegeben. Dabei werden der Hochwasserschutz verbessert und die Naherholung mit Bademöglichkeiten attraktiver. Im Jahr 2006 haben die fünf Kantone erstmals gemeinsam auch einige neue Parameter der Wasserqualität untersucht. Wie die Ergebnisse zeigten, zählt die Birs, gemessen an den Schwermetallgehalten, landesweit zu dem am stärksten belasteten Fliessgewässern - die die Qualitätsziele werden teilweise überschritten. Es wurde aber auch bestätigt, dass der Nährstoffeintrag dank einer effizienteren Abwasserbehandlung generell abnimmt, auch wenn gebietsweise noch erhöhte Belastungen mit Phosphor und gelöstem organischem Kohlenstoff auftreten. Trotz klar erkennbaren Fortschritten wurden neue Defizite festgestellt, beispielsweise die  Belastung mit polychlorierten Biphenylen (PCB). Die Belastungsquelle im Kanton Jura konnte gestoppt werden. Diffuse Belastungen der Birs mit Mikroverunreinigungen und Schwermetallen werden nur langfristig reduziert werden können. Auch die Daueraufgaben der Siedlungsentwässerung und der Abwasserreinigung müssen gewissenhaft weiter geführt werden. Hier wurden bisher und werden auch in Zukunft die meisten finanziellen Mittel investiert.
 
 
Die Regierungskonferenz der Nordwestschweizer Kantone hat ausgelöst, dass der Regionale Entwässerungsplan (REP) Birs in ein Integrales Einzugsgebietsmanagement (IEM) überführt wird. Der Kanton Basel-Landschaft hat die Gewässerschutzziele in seine Kantonale Wasserstrategie eingebunden.  
 
Zahlreiche der im REP Birs festgelegten Massnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität wurden inzwischen umgesetzt. Dazu gehören beispielsweise die Behandlung von hoch belastetem Strassenabwasser im Kanton Basel-Landschaft, Deponiesanierungen im Kanton Jura und die Aufhebung der Kläranlage in Reinach. Die raumrelevanten Massnahmen wurden in den kantonalen Richtplänen aufgenommen. Die inzwischen in allen fünf Anrainerkantonen entlang der Birs und der Lützel durchgeführten Revitalisierungen haben den Natur- und Naherholungswert deutlich erhöht.
 
        



«Leitbild Fliessgewässer Schweiz – Für eine nachhaltige Gewässerpolitik»
(PDF-Datei, 1 MB)
Renaturierte Birs bei Zwingen
Revitalisierte Birs bei Reinach auf der Höhe der aufgehobenen ARA Birs1
Abbruch der ARA Birs 1, das Abwasser wird heute zeitgemäss in der ARA in Birsfelden gereinigt und belastet die Birs nicht mehr.



Links:
Weitere Informationen zum REP Birs unter:
» www.labirse.ch